Internet-Radio-Geräte: das Kästchen, das einfach läuft
Ein eigenes Empfangsgerät hat einen Vorteil, den kein Telefon einholt: es tut nur eine Sache, und es tut sie sofort.
Ein Telefon kann Radio hören. Es kann auch dreissig andere Dinge, und genau das ist das Problem. Wer abends einen Sender starten will, entsperrt, sucht die Anwendung, wartet auf die Werbung, findet den Kanal, und ist unterwegs bereits an zwei Benachrichtigungen vorbeigekommen. Ein eigenes Empfangsgerät kennt diesen Weg nicht. Es hat einen Knopf, und hinter dem Knopf liegt ein Sender. Diese Beschränkung ist der ganze Grund, warum solche Kästchen überlebt haben.
Was so ein Gerät eigentlich ist
Technisch besteht ein Internetradio aus vier Teilen: einem Netzwerkteil, einem Decoder für die üblichen Datenströme, einem kleinen Verstärker mit Lautsprecher und einer Bedienoberfläche. Der interessanteste Teil steht nicht im Gehäuse, sondern im Netz: Fast alle Geräte greifen auf ein Senderverzeichnis zu, das die Adressen der Ströme verwaltet. Ändert ein Sender seine Adresse, wird sie dort nachgeführt, und das Gerät findet ihn weiterhin. Fällt ein solches Verzeichnis aus, verstummen sehr viele Geräte gleichzeitig, obwohl technisch nichts an ihnen defekt ist.
Daraus folgt die wichtigste Kaufregel: Ein gutes Gerät lässt eigene Adressen von Hand eintragen. Wer die Strom-Adresse seines Lieblingssenders selbst speichern kann, bleibt unabhängig vom Verzeichnis. Geräte, die das nicht erlauben, sind an das Wohlwollen eines Dienstleisters gebunden.
Die Bedienung entscheidet, ob es benutzt wird
Zwischen zwei Geräten mit gleicher Ausstattung liegt oft ein enormer Unterschied in der Benutzung, und er hängt an banalen Dingen. Sechs echte Stationstasten, die man ohne Menü belegen und abrufen kann, sind mehr wert als eine Datenbank mit dreissigtausend Sendern. Ein Drehregler für die Lautstärke schlägt zwei Tasten, weil man ihn im Dunkeln findet. Ein Display, das sich nachts vollständig abschalten lässt, schlägt jedes farbige. Und ein Gerät, das nach dem Einschalten in weniger als zehn Sekunden spielt, wird morgens benutzt, eines mit dreissig Sekunden Startzeit nicht.
Dazu kommt der Ausschaltzeitgeber. Er ist für den Abend die eigentliche Schlüsselfunktion, denn er löst das Problem, das beim Einschlafen mit Musik immer entsteht: Irgendwann muss es aufhören, ohne dass jemand aufsteht. Warum dieser Punkt wichtiger ist als die Auswahl der Stücke, beschreiben wir im Beitrag über kleine Pausen, die tatsächlich wirken.
Prüfen Sie vor dem Kauf, wie sich das Gerät verhält, wenn das Netzwerk kurz weg ist. Ziehen Sie dazu den Router für zehn Sekunden vom Strom. Gute Geräte verbinden sich innerhalb einer Minute selbst wieder, schlechte bleiben stumm und warten auf einen Tastendruck.
Klang: ein Lautsprecher in einer Schuhschachtel
Der eingebaute Lautsprecher ist immer ein Kompromiss. In einem Gehäuse von zwanzig Zentimetern Breite lässt sich unterhalb von etwa achtzig Hertz nichts Sinnvolles erzeugen, und jeder Versuch, das mit einer kräftigen Anhebung zu überspielen, endet im Dröhnen. Gute kleine Geräte tun deshalb das Gegenteil: Sie halten den Bass knapp, arbeiten sauber in den Mitten und klingen dadurch bei kleiner Lautstärke offen statt dumpf.
Zwei praktische Hinweise verbessern das Ergebnis mehr als jede Klangregelung. Erstens die Aufstellung: Ein solches Gerät gewinnt hörbar an Fundament, wenn es nahe an einer Wand oder in einer Regalnische steht, weil die Grenzfläche den Tiefton verstärkt. Zweitens die Höhe: Auf Ohrhöhe klingt es klarer als auf einer niedrigen Anrichte, weil die Hochtöner solcher Geräte stark bündeln. Wer es genauer will, führt den Ton über den Kopfhörer- oder Cinchausgang an eine richtige Anlage; ob dann ein weiteres Gerät dazwischen gehört, klärt unser Text über Wandler und Kopfhörerverstärker.
Ein Wort noch zu den Anschlüssen. Ein Gerät mit Kopfhörerbuchse ist im Schlafzimmer Gold wert, weil es den Übergang zum stillen Hören ohne Umbau erlaubt. Ein Cinch- oder optischer Ausgang macht aus dem Kästchen später eine Quelle für eine grössere Anlage, statt es in den Keller zu verbannen. Und ein Anschluss für eine externe Antenne ist der einzige Weg, um in einer Wohnung mit schlechtem Empfang aus dem terrestrischen Teil noch etwas herauszuholen. Alle drei kosten in der Herstellung fast nichts und fehlen erstaunlich oft.
Die üblichen Enttäuschungen
- Ein Display, das sich nicht abschalten lässt und das Schlafzimmer blau ausleuchtet.
- Stationstasten, die nur über ein Menü in drei Ebenen belegt werden können.
- Geräte ohne Möglichkeit, eine eigene Adresse einzutragen.
- Eine Anwendung auf dem Telefon als einzige Bedienung, samt Kontozwang.
- Klangregelung, die nur den Bass anhebt, statt die Mitten in Ruhe zu lassen.
- Kein Ausschaltzeitgeber, oder einer mit nur einer festen Dauer.
Ein Gerät, das nur eine Sache kann, verlangt keine Entscheidung. Genau deshalb wird es benutzt.
Empfangsweg: Netz, DAB oder beides
Viele Geräte beherrschen neben dem Internetstrom auch DAB und UKW. Das ist mehr als eine Rückfallebene: Ein terrestrisch empfangenes Programm läuft ohne Netzwerk, ohne Verzeichnis und ohne Pufferzeit, und es bricht nicht ab, wenn jemand im Haus ein grosses Video lädt. Umgekehrt bietet das Netz eine Auswahl, die keine Antenne liefert, und meist auch die spezialisierten Kanäle für die späten Stunden.
Wer beides hat, nutzt es meist getrennt: das Netz für die Kanäle mit durchlaufendem Programm, die Antenne für die Kulturwellen. Woran man einen Netzsender erkennt, der einen ganzen Abend trägt, steht in unserem Beitrag über Sender für die ganze Nacht. Und wenn das Gerät im Schlafzimmer steht, lohnt ein Blick darauf, wie viel davon durch die Wand geht: dazu unser Text über Lautstärke im Mehrfamilienhaus.
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