Nachthall Musik für leise Stunden
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Musik online hören: Bibliothek, Strom und der Unterschied im Ohr

Zwischen einer Datei auf der Festplatte und demselben Stück aus dem Netz liegen ein paar technische Schritte. Nur wenige davon hört man.

Laptop mit langer Titelliste auf einem dunklen Holztisch, daneben ein Glas Wasser, das Bildschirmlicht ist die einzige Lichtquelle im Zimmer, halbnahe Aufsicht
Eine lange Titelliste auf dem Bildschirm, sonst ist das Zimmer dunkel.

Zwischen einer Aufnahme und dem eigenen Ohr liegen heute mehr Schritte als je zuvor: eine Datei irgendwo in einem Rechenzentrum, ein Verfahren zur Datenreduktion, eine Leitung, ein Zwischenspeicher, eine Lautstärkeanpassung, ein Wandler. Jeder dieser Schritte hat eine Kennzahl, und um jede dieser Kennzahlen wird gestritten. Die nüchterne Bilanz ist erfreulich kurz: Zwei der Schritte sind hörbar, die übrigen sind es in einer Wohnung praktisch nie.

Verfahren und Bitrate

Verlustbehaftete Verfahren werfen weg, was das Gehör vermutlich nicht bemerkt, und der Streit dreht sich um das Wort vermutlich. Praktisch gilt: Ein Strom mit 256 bis 320 Kilobit je Sekunde in einem modernen Verfahren ist bei normaler Musik von einer verlustfreien Fassung kaum zu unterscheiden. Bei niedrigeren Werten hört man zuerst dort etwas, wo viel Zufall im Signal steckt: Becken, Applaus, Regen, lange Hallfahnen, sehr leise Passagen. Der Klang wird dann nicht dumpf, sondern leicht körnig oder verwaschen, als läge ein feiner Schleier über den Höhen.

Verlustfreie Ströme brauchen für gewöhnliche Auflösung ungefähr das Drei- bis Vierfache an Daten und geben eine Sicherheit, keinen hörbaren Zugewinn. Noch weiter oben, bei sehr hohen Abtastraten, wird es endgültig zur Glaubensfrage: Was dort zusätzlich übertragen wird, liegt oberhalb des menschlichen Hörbereichs. Wer die Ruhe eines Abends verbessern will, holt aus einem Vorhang mehr heraus als aus der Verdopplung der Abtastrate; wie viel, steht in unserem Beitrag über Raumakustik mit Hausmitteln.

Router mit blinkenden Leuchtdioden auf einem Regalbrett, ein blaues Netzwerkkabel führt nach unten aus dem Bild, Zimmer im Dunkeln, kaltes Licht der Dioden, Nahaufnahme
Blinkende Dioden auf dem Regalbrett, daneben das blaue Kabel.

Lautheit: die wichtigste Einstellung, die niemand sucht

Der zweite hörbare Schritt ist die Lautheitsnormalisierung. Aufnahmen sind unterschiedlich laut gemastert, und über zwei Jahrzehnte hinweg wurde diese Lautheit als Wettbewerbsvorteil betrachtet: Wer lauter klang, setzte sich im Radio durch. Der Preis war weniger Dynamik. Die Streamingdienste haben diesem Wettlauf den Sinn genommen, indem sie alles auf einen gemeinsamen Zielwert bringen, meist um minus vierzehn Einheiten auf der Lautheitsskala; im Rundfunk gilt seit Jahren ein noch leiserer Zielwert von minus dreiundzwanzig.

Für den Abend ist diese Funktion entscheidend. Ist sie eingeschaltet, bleibt der Pegel über die Stunden konstant, und ein laut gemastertes Stück fährt nicht mitten in eine ruhige Folge. Ist sie ausgeschaltet, greift man alle zwanzig Minuten zur Fernbedienung. Wer eine eigene Abendliste baut, sollte sie deshalb zuerst suchen und einschalten, noch vor jeder Klangregelung.

Zwei Schalter, ein Abend

Suchen Sie in den Einstellungen Ihres Dienstes zwei Punkte: die Lautstärkeanpassung, die eingeschaltet gehört, und die automatische Fortsetzung nach dem letzten Titel, die ausgeschaltet gehört. Der erste hält den Pegel ruhig, der zweite sorgt dafür, dass ein Abend ein Ende hat.

Übergänge, Lücken und zerschnittene Mischungen

Ein Detail, an dem viele ruhige Alben scheitern: die Lücke zwischen zwei Titeln. Aufnahmen, die ineinander übergehen, verlangen eine lückenlose Wiedergabe. Fehlt sie, entsteht an jeder Titelgrenze eine winzige Stille, und ein durchkomponierter Abend zerfällt in Einzelstücke. Die meisten Dienste beherrschen das inzwischen, aber nicht alle Geräte in der Kette, und ein Bluetooth-Weg kann es wieder kaputt machen.

Verwandt ist das Problem bei gemischten Compilations. Wo früher eine durchgehende Fassung stand, liegen heute oft die Einzeltitel, und aus einem Fluss wird eine Aufzählung. Was dabei sonst noch verloren geht, beschreiben wir im Überblick über die Chillout-Serien. Die eingebaute Überblendung, die manche Dienste anbieten, ist übrigens kein Ersatz: Sie legt zwei Enden übereinander, ohne die Tonarten zu kennen.

Das Ohr merkt sich keine Bitraten. Es merkt sich, ob es nachregeln musste.
Kleine externe Festplatte mit angeschlossenem Kabel auf einem Schreibtisch neben einem aufgeklappten Notizbuch, warmes Licht einer Schreibtischlampe von links, Nahaufnahme
Eine kleine Festplatte mit angeschlossenem Kabel neben dem aufgeklappten Notizbuch.

Warum ein eigener Bestand seinen Sinn behält

Ein Katalog im Netz ist geliehen. Titel verschwinden, wenn Lizenzen auslaufen, Alben werden durch neu abgemischte Fassungen ersetzt, ganze Reihen wechseln den Eigentümer und verschwinden für Monate. Wer eine Aufnahme wirklich braucht, hält sie als Datei vor. Das ist keine Nostalgie, sondern Verfügbarkeit.

Ein eigener Bestand hat zwei weitere Vorzüge. Er funktioniert ohne Netz, also auch dann, wenn um halb zwei die Leitung stockt. Und er lässt sich beschriften: Wer seine Dateien mit ordentlichen Angaben versieht, findet nach Jahren wieder, was er gesucht hat, während Wiedergabelisten in fremden Diensten stillschweigend zerfallen. Für den Alltag ist die Mischform die vernünftigste: Streaming zum Entdecken, eigene Dateien für das, was bleiben soll.

  • Lautstärkeanpassung einschalten, automatische Fortsetzung ausschalten.
  • Lückenlose Wiedergabe prüfen, mit einem Album, dessen Titel ineinander übergehen.
  • Was Ihnen wichtig ist, als Datei sichern, samt Angaben zu Interpret, Album und Jahr.
  • Bei kleiner Bandbreite lieber ein modernes Verfahren mit 96 Kilobit als ein altes mit 128.
  • Klangregelung erst nach der Aufstellung anfassen, nicht davor.

Die Rangfolge der Wirkung

Wer am Klang etwas ändern will, sollte in dieser Reihenfolge vorgehen: zuerst der Raum und die Aufstellung, dann der Wandler oder Lautsprecher am Ende der Kette, dann die Lautheitseinstellungen, und erst ganz zuletzt die Bitrate. Diese Rangfolge ist unbequem, weil die letzten Punkte sich bequem im Menü ändern lassen und die ersten Arbeit machen. Sie stimmt trotzdem.

Am anderen Ende der Kette entscheidet dann noch die Frage, ob zwischen Quelle und Kopfhörer ein weiteres Gerät gehört. Wann sich das lohnt und wann nicht, klärt unser Beitrag über Wandler und Kopfhörerverstärker. Wer die Auswahl ganz abgeben will, ist ohnehin mit einem laufenden Programm besser bedient: dazu unser Text über das Kästchen, das einfach läuft.

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